Höhepunkt waren die Ausschreitungen im Berliner Sportpalast, wo Bill Haley & His Comets wegen einer einsetzenden Saalschlacht ihr Konzert abbrechen und sogar von der Bühne fliehen mussten. Die Bilanz der Ausschreitungen: Zerstörte Zuschauer-Ränge, ein zerhackter Konzertflügel, Sachschaden in Höhe von ca. 50.000 DM, 50 Verletzte und 18 „Halbstarke“ in Polizeigewahrsam. Ebenfalls flüchten mussten Peter Kraus und Cornelia Froboess, die in der ersten Reihe saßen, um sich die Show anzusehen. Das hinderte den Filmproduzenten Artur Brauner in Berlin jedoch nicht daran, Bill Haley einen Filmvertrag anzubieten und ihn kurzfristig in seinen Film Hier bin ich, hier bleib ich einzubauen, wo Haley seine Stücke Hot Dog Buddy Buddy und Whoa Mabel vorstellen durfte und gemeinsam im Duett mit Caterina Valente das Lied Vive la Rock and Roll einbrachte.
Insgesamt hatte Bill Haley in den US-Hitlisten 29 Platzierungen, davon 21 in den Top-40. In England waren es 19 Top-100-Platzierungen, davon 15 in den Top-20. Von 1953 bis 1957 waren Bill Haley & The Comets die erfolgreichste Rock-’n’-Roll-Band der Welt.
Haleys Comeback:
Im Jahre 1958 verabschiedete sich Bill Haley mit seinem letzten großen Hit Skinny Minnie aus den US-Pop/R&B-Charts. Die erfolgreiche Zusammenarbeit Bill Haleys mit DECCA und seinem Produzenten Milt Gabler endete am 23. September 1959 mit seinen letzten sechs Aufnahmen in New York, u.a. mit Skokiaan, Two Shadows und In a Little Spanish Town.
Ein Jahr später wechselt Haley zu Warner Bros., seine Aufnahmen unter diesem Label brachten ihn aber nicht mehr in die Erfolgsspur zurück. Haley nutzte die anhaltende Popularität seiner Songs für lukrative Tourneen in fast alle Kontinente. Nachdem ihm aber sein Manager James Ferguson Ende 1959 ein finanzielles Desaster hinterlassen hatte, ging Haley im Jahre 1960 nach Mexiko, arbeitete dort erfolgreich für das Label Orfeon und agierte dort als „Bill Haley y sus Cometas“ mit Florida Twist und Spanish Twist so erfolgreich, dass sie ihn in Mexiko bald den „Spanish King of Twist“ nannten.
1962 folgte wieder eine erfolgreiche Europa- und Deutschlandtournee, u.a. mit einem zehntägigen Gastspiel im Star-Club in Hamburg. Für seine Berliner Fans gab Haley 1964 ein „Wiedergutmachungskonzert“ für das desaströse 58er Berlin-Konzert im Sportpalast. Gemeinsam mit Little Richard gastierte er am ersten Juni-Wochenende auf der Berliner Waldbühne am Samstag vor 16.000 und am Sonntag vor 14.000 begeisterten Fans. Trotz weltweiter Dominanz der Beatles und der
Rolling Stones
füllte Bill Haley auch bei dieser Europatournee gemeinsam mit Manfred Mann Stadien und Konzerthallen. In England war der gerade in den Hitparaden vertretene Manfred Mann der Headliner der Tournee, was man aber nach den ersten Shows änderte, da Bill Haley wohl die größere Fangemeinde hatte.
1968 gelang Haley ein von keinem Musikexperten für möglich gehaltenes Comeback in Großbritannien mit Rock Around the Clock in den UK-Top 20 und in Deutschland. Seine Platten wurden von Decca und Sonet neu aufgelegt, jedoch sind auch auf vielen anderen Labels wie Logo, Newtown und United Artists neue Aufnahmen von Bill Haley und Neueinspielungen seiner großen Erfolge zu hören.
Im Oktober 1969 folgte ein Auftritt im New Yorker Madison Square Garden bei „Richard Nader's Rock ’n ’ Roll-Revival“. Das Jahr 1972 brachte für Haley weitere Revival-Erfolge wie im April sein Auftritt im US-Film Let The Good Times Roll (deutscher Titel: Total Verrockt und Rollt). Am 5. August 1972 folgte Bill Haleys Abschied vor knapp 83.000 Zuschauern im Wembley-Stadion in London beim großen „Rock ’n’ Roll-Revival“, gemeinsam mit Little Richard, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis und Bo Diddley. Im gleichen Jahr produziert Haley eine LP im Country-Sound mit dem Titel Rock Around the Country, auch erschienen unter Bill Haley and His Comets Travelin`Band mit Songs wie Me And Bobby McGee und A Little Piece at a Time.
1974 tourte Haley ein letztes Mal mit seinem langjährigen Partner und engen Freund, dem Saxophonisten Rudy Pompilli, durch Australien und Neuseeland. Der Tod Rudy Pompillis im Februar 1976 stürzt Bill Haley in tiefe Depressionen, von denen er sich in den letzten Jahren seines Lebens nicht mehr erholte. Der Produzent Kenny Denton holt Haley Mitte 1979 in die Fame Studios nach Alabama, und gemeinsam mit den Rockveteranen Steve Murray, Jim Lebak, Gerry Tilley, Pete Spencer, Ray Parson, Geoff Driscol und Pete Wingfield machte Bill Haley Studioaufnahmen für seine letzte LP unter dem Sonet-Label Everyone Can Rock ’n ’Roll! An 26. November 1979 folgte der letzte große Höhepunkt in Bill Haleys Musikkarriere, sein Konzert vor Königin Elisabeth II. im Theater Royal, London, mit anschließendem Empfang und Ehrung.
Während seiner letzten Tournee 1980 in Südafrika gestand Haley einem engen Freund, dass er unter einem inoperablen Hirntumor litt. Von seiner schweren Krankheit schon gezeichnet, plant Haley dennoch für November 1980 eine weitere Konzerttournee durch Europa. Es kam nicht mehr dazu; am 9. Februar 1981 starb Bill Haley in seinem Haus in Harlingen, Texas. Ungeklärt ist bis heute der Verbleib seiner Urne; sie wurde wahrscheinlich der Familie oder Freunden übergeben. Ein Grab ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass Bill Haley im Kreidler Ashcraft Funeral aufgebahrt und im Brownsville Krematorium eingeäschert wurde.
Begegnungen zwischen Haley und Presley:
Im Spätsommer 1955 tourte Bill Haley mit Hank Snow und Tom Parker durch den Mittleren Westen. Bei dieser Tournee trafen sich Bill Haley und der noch unbekannte 20-jährige Elvis Presley zum ersten Mal. Nach einem Auftritt in Oklahoma City kamen sich Haley und Presley dann auch persönlich näher. Nach dem Austausch einiger Nettigkeiten erkundigte sich Presley nach Haleys Erfahrungen mit seiner Gibson L-7 und bewunderte nach der Show Haleys neuen Cadillac.
Im Oktober 1955 gab es ein Wiedersehen bei einem Auftritt in der Brooklyn High School in Cleveland, Ohio, diesmal in Bill Randles Live-Show, mit dabei waren auch Pat Boone und The Four Lads. Presley war nach Aussagen von Haleys Bassisten Al Rex sehr davon angetan, mit Bill Haley & His Comets, nach deren Erfolgshit Rock Around The Clock das „Musikensemble No. 1“ in den Staaten, in einer Live-Show erstmals im Norden der USA auftreten zu dürfen. Presley sang nach seinem Repertoire noch Bill Haleys Version von Shake, Rattle and Roll und Crazy Man Crazy. Die Show war ein Riesenerfolg, und Presley intervenierte danach bei Bill Randle, um ein gemeinsames Foto mit Bill Haley machen zu können. Dieses Bild ist das einzig bekannte gemeinsame Foto beider Stars aus den Jahren 1954 bis 1957.
Im September 1956 übernahm Presley nach seinem legendären Auftritt in der Ed Sullivan-TV-Show und der Veröffentlichung sieben neuer RCA- Singles endgültig das Zepter im Rock'n'Roll, obwohl Bill Haley aufgrund seiner Auftritte in den Columbia-Streifen Rock Around The Clock und Don’t Knock The Rock noch bis zum Frühjahr 1957 die größten Plattenumsätze der jungen Rockgeschichte zu verzeichnen hatte. Eine weitere Begegnung des damals jungen GIs der US-Army Presley mit Bill Haley fand während Haleys Deutschlandtournee 1958 in Frankfurt statt.
Bill Haley in den deutschen Printmedien:
In der deutschen Nachkriegsgesellschaft haben sich Mitte der 50er Jahre besonders die Printmedien bei der Verteidigung von Moral und Sitte, insbesondere bei der Abwehr „jugendgefährdender“ Musik hervorgetan. Bereits die deutsche Illustrierte Film-Bühne, bebilderte Beilage eines jeden Films an deutschen Kinokassen, vermied 1956 bei der Vorstellung des ersten Rock`n`Roll-Films Außer Rand und Band in der gesamten textlichen Abhandlung über den Siegeszug Bill Haleys und seiner Musik krampfhaft den Gebrauch des Terminus „Rock`n`Roll“. Statt dessen war zu lesen: „... kein Wunder, denn die Kapelle spielte eine völlig neuartige schräge Musik, nämlich Boogie!“
Während in England im Februar 1957 bei Bill Haleys Ankunft in Southampton der Daily Mirror als Headline titelte „Fantabulous!“, Bill Haleys Aufstieg und Lebensgeschichte druckte und einen Sonderzug für die Fans von London nach Southampton charterte, klagte 20 Monate später, bei Haleys Deutschland-Tournee, der Rheinische Merkur, dass Bill Haley, der „Komet der Triebentfesselung“, im Bistum Essen am Tag der Papstwahl „einen Generalangriff auf Geschmack, Anstand und Selbstachtung gewagt habe“. Die Ost-Berliner SED-Zeitung Neues Deutschland bezichtigte den „Rock`n`Roll-Gangster Haley“ nach seinem Berlin-Konzert, eine „Orgie der amerikanischen Unkultur angerichtet zu haben“.
Bill Haley’s Original Comets:
Im Jahre 1987 vereinigten sich in Philadelphia die altgedienten Comets Johnny Grande und Franny Beecher mit den Gründungsmitgliedern der aus den Comets 1955 hervorgegangenen neuen Band The Jodimars, Joey D’Ambrosio, Dick Richards und Marshall Lytle, zu „Bill Haley’s Original Comets“, verstärkt durch den Engländer Jacko Buddin, dessen gesangliche Nähe zu Bill Haley unüberhörbar ist. Nach einem ersten erfolgreichen Auftritt in England übernahm „Rock It Concerts“ aus München das europäische Management. Seitdem touren die Comets als älteste Rock-Band der Welt bereits seit 20 Jahren mit dem Haley-Sound um die Welt, treten in zahlreichen Fernsehshows auf und haben sechs neue CDs im typischen Bill Haley & Comets Sound herausgebracht.
Im März 2007 waren die Comets in München zu Gast, um den Grundstein für das neue Bill-Haley-Museum zu legen, im Oktober 2007 wurde das Museum von Ex-Comet Gitarrist Bill Turner eröffnet. Das weltweit einzigartige Museum umfasst hunderte von Fotos, Platten, Originalinstrumente, Goldenen Schallplatten, Auszeichnungen und Memorabilia von Bill Haley & His Comets.
Quelle: Wikipedia