Jahr: 1988
Der 1948 in Guyana im Norden des südamerikanischen Kontinents geborene Eddy Grant wanderte mit seinen Eltern 1960 aus nach England, wo er bis in die Achtziger Jahre lebte. Anschließend zog es ihn wieder in die Karibik, genauer nach Barbados. Diese beiden Welten sind auch in Grants Musik direkt wiederzufinden: der Reggae als das Element aus der Karibik, das immer irgendwie durchscheint, und die britische Pop- und Rockmusik. Beide verschmelzen zu einer Einheit, die Eddie Grants Sound ausmacht.
Auch "Gimme Hope Jo'anna" hat diesen Reggae-Touch, wenn auch vielleicht nicht so deutlich wie andere Eddie-Grant-Hits wie zum Beispiel "Electric Avenue" oder "I don't wanna dance". Inhaltlich hat der Song aber nichts mit der Karibik zu tun, sondern beschäftigt sich mit dem geographisch doch recht weit entfernten Südafrika.
Hierbei ist Jo'anna keine Frau, sondern Jo'anna steht für Johannesburg, die größte Stadt Südafrikas. Angeprangert wird das 1988 zur Zeit der Veröffentlichung des Songs noch an der Macht befindliche Apartheids-Regime. Damals allerdings schon heftig in der Kritik der internationalen Staatengemeinschaft wurde die Apartheid zwei Jahre später nach der Freilassung von Nelson Mandela in den Mülleimer der Geschichte geworfen.
Schon seit Mitte des 20sten Jahrhunderts gab es in Südafrika Apartheidsgesetze, die die schwarze Mehrheit der Bevölkerung zugunsten der weißen Minderheit unterdrückten. Zur Symbolfigur der Anti-Apartheidsbewegung wurde dann in den 60ern Nelson Mandela, der insgesamt 27 Jahre im Gefängnis saß und ohne den das Unrechtsregime vielleicht noch immer existieren würde. Mandela wurde 1994 dann auch der erste schwarze Präsident des Landes.
Im Liedtext wird Jo'anna mit der weißen Regierung Südafrikas gleichgesetzt und im folgenden als "she", als aktiv handelnde bezeichnet ("Well Jo'anna she runs a country"). Neben der Darstellung der Verhältnisse im Land ("She makes a few of her people happy, oh she don't care about the rest at all") wird der Umschwung, die Zeitenwende geradezu beschworen ("Can't you see that the tide is turning? Oh don't make me wait till the morning come"). Nelson Mandela wird im Liedtext nicht erwähnt, dafür aber Bischoff Desmond Tutu, der auch als prominenter Füsprecher für die Rechte der Schwarzen sehr einflussreich und prägend war ("Even the preacher who works for Jesus, the Archbishop who's a peaceful man together say that the freedom fighters will overcome the very strong").
Nun, Jo’anna läuft durch das Land,
sie läuft in Durban und in Transvaal.
Sie macht einige Wenige glücklich, oh,
sie schert sich einen Teufel um die restlichen Menschen.
Sie erhielt ein System, das sie Apartheit nennen,
das einen „Bruder“ nicht aus der Unterdrückung läßt.
Aber der Druck wird Jo’anna erkennen lassen,
wie ein jeder als eine Gemeischaft zusammenleben könnte
(Rfrain: )
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
bevor es zu spät ist (der Morgen graut).
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
Hoffnung, Jo’anna
Hoffnung, bevor es zu spät ist.
Ich höre sie macht all das wundervolle Geld,
um neue und verschiedenste Waffen zu kaufen,
während jede Mutter im schwarzbevölkerten Soweto
um den Tod ihres Sohnes fürchten muß.
Sie schleicht immer wieder durch die Nachbarschaft
um sich ein wenig Spaß zu verschaffen.
Es macht ihr nichts, daß ihr Spaß und ihre Spiele
für alle gefährlich ist.
(Rfrain: )
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
bevor es zu spät ist.
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna
Hoffnung, bevor es zu spät ist.
Sie wird unterstützt in den höchsten Stellen,
die es sich in der schönen Stadt gut gehen lassen.
Jo’anna gibt ihnen die überzogene Bezahlung,
um jeden in Versuchung zu führen, der hier herkommt.
Sie weiß, wie sie die Ansichten verändern kann:
in jedem Magazin und den Journalen
wird jede Untat von Jo’anna
mit einer guten Erklärung veröffentlicht.
(Rfrain: )
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
bevor es zu spät ist.
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna
Hoffnung, bevor es zu spät ist.
Auch die Prediger, die für Jesus arbeiten,
selbst der Erzbischof, der ein friedfertiger Mann ist,
sie alle meinen, daß die Freiheitskämpfer
die übermächtige Ungerechtigkeit besiegen werden.
Ich möchte wissen, ob Du blind bist, Jo’anna,
ob Du den klang der (Kriegs-)Trommeln hören willst.
Kannst Du nicht erkennen, daß es höchste Zeit für eine Änderung ist?
Oh, laß mich nicht warten, bis es zu spät ist.
(Refrain: )
Gib’ Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
bevor es zu spät ist.
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
bevor es zu spät ist.
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
bevor es zu spät ist.
Gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
gib’ mir Hoffnung, Jo’anna,
bevor es zu spät ist.
Quellen:
http://www.jochenscheytt.de/popsongs/joanna.html
Eddy Grant: Gimme Hope Jo’anna (selbst übersetzt)